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Bei den diesjährigen WTB-Meisterschaften im Gerätturnen Frauen, die am 29. April in Dortmund stattfanden, waren die Uhren gleichsam auf Null gestellt. Denn im Nachwuchsbereich der AK 7-11 galten erstmalig die neuen Pflichtprogramme. Und ebenso mussten die Kürturnerinnen ab der AK 12 nach den seit Rio geltenden überarbeiteten Wertungsbestimmungen turnen. Da war es schon erstaunlich, dass insgesamt 73 Turnerinnen sich den Kampfgerichten stellten.

Umso gespannter waren alle, wie dieser erste Leistungsvergleich auf Landesebene im neuen Olympiazyklus ausgehen würde.

AK 7 mit großem Potential

Im Nachwuchsbereich zeigte die AK 7 aus der Sicht des ehemaligen Bundesnachwuchstrainers Michael Gruhl das größte Talentpotenzial.

Gruhl appelliert daher an alle Trainer in dieser Altersklasse, die noch nicht so schwierige Übungen turnen muss, „die zur Verfügung stehende Zeit für eine intensive Entwicklung der Körperspannung und der Grundlagentechniken zu nutzen“. Die drei erstplatzierten Talente zeichneten sich allerdings schon durch ein ansprechendes Niveau aus: July Masolle (Warendorfer Sportunion, 48,65), Mia Lutkova (KTV Detmold, 47,65) und Lina Taudt (TVE Greven, 46,35).

Probleme mit neuen Pflichtübungen

In den Altersklassen 8 und 9 war das Leistungsbild  mehr oder weniger durchwachsen, da vielen Turnerinnen das gestiegene Schwierigkeitsniveau der neuen Pflichtübungen (noch) zu schaffen machte. Aber auch in der Grundausbildung zeigten sich teilweise eklatante Mängel. Gute Ansätze waren in beiden Altersklassen bei den bestplatzierten Turnerinnen zu erkennen. In der AK 8 gingen die Podestplätze an Helene Stenert (TVE Greven, 50,00), Katelyn Müller (KTV Detmold, 47,25) und Hannah Möller (TV Lipperode, 47,00). Und in der AK 9 erreichten Alissa Schmal (TuSpo Meißen, 52,30), Lia Feline Mass (KTV Detmold, 49,35) und Elissa Karaca (KZV Dortmund, 39,85) das Siegerpodest.

Nur drei Starterinnen

Ganze drei Turnerinnen gingen in der Altersklasse 10 an die Geräte und kämpften sich mutig durch den Wettkampf. Am Ende siegte mit großem Vorsprung Johanna Sahl (KTV Detmold, 55,75) vor Carolin Stein (KTV Dortmund, 47,80) und Lisa Marx (VTB Siegen, 29,80).

Mirja Gutzeit mit Top-Leistung

Einen Glanzpunkt im Nachwuchsbereich setzte Mirja Gutzeit von der KTV Detmold, die als einzige Turnerin in der Altersklasse 11 antrat. An allen vier Geräten zeigte sich die zum P-Kader des Deutschen Turner-Bundes gehörende Turnerin den hohen Anforderungen sowohl technisch wie auch haltungsmäßig gewachsen. Das spiegelt auch das erturnte Ergebnis von 77,55 Pu8nkten wieder, mit dem sie die Qualifikationsnorm für den Turn-Talentschul-Pokal des Deutschen Turner-Bundes um mehr als neun Punkte überbieten konnte.

AK 12 mit viel Ausdauer

Bei den Kürturnerinnen, die ab der Altersklasse 12 um Meisterehren kämpften, gingen in vier Altersklassen insgesamt nur 19 Aktive an die Geräte. Hier machte sich nachteilig bemerkbar, dass nur zwei Kampfgerichte zur Verfügung standen, weil einige Kampfrichterinnen die Schulbank für den Erwerb der Lizenzen im neuen Olympiazyklus drücken mussten. So gab es für die vier Riegen immer wieder Pausen, die den sonst gewohnten zügigen Wettkampfablauf in die Länge zogen.

Daher verdienen alle Kürturnerinnen auch von dieser Stelle aus unsere Bewunderung, dass sie bis in die späten Abendstunden hinein durchgehalten haben. Ein besonderer Glückwunsch geht dabei an die folgenden Siegerinnen:

Jamie Lynn Doberstein (TuSpo Meißen AK 12), Dana Coerdt (KTV Dortmund AK 13), Joke Bingmann (KTV Dortmund AK 14), Maila Rüter (KTV Dortmund AK 15) und Janine Woeste (KTV Dortmund AK 16 und älter). Die Detmolder JEM-Turnerin Kristina Iltner konnte nach einer OP im Dezember letzten Jahres leider nicht an der Landesmeisterschaft teilnehmen, ist aber aufgrund ihrer überragenden Leistungen im letzten Jahr für die DJM beim IODTF in Berlin gesetzt. Dieses Ziel dürfte auch Jamie Lynn Doberstein erreicht haben, die mit 40,85 Punkten die Qualifikationsnorm (37,00) deutlich überschritten hat. Dagegen müssen Joke Bingmann  und Janine Woeste noch bangen, ob ihre Punkte ausreichen. Joke liegt 0,20 Punkte und Janine 1.50 Punkte über der Norm, was rechnerisch ausreicht. Für die Meisterschaften in Berlin gilt aber, dass in jeder Altersklasse nur 24 Turnerinnen zugelassen werden. Da heißt es Daumendrücken, dass beide Dortmunderinnen dabei sind.

Bleibt zum Schluss ein großes DANKESCHÖN an die Kampfrichterinnen, die an diesem Tag mit drei Wettkampfdurchgängen einen geradezu unglaublichen Kraftakt bewältigt haben. Besonders zu nennen ist hier Christiane Freund, die nicht nur die Kampfrichteraufsicht hatte, sondern dazu noch in jedem Durchgang an zwei Geräten selbst werten musste, um die fehlende achte Kampfrichterin zu ersetzen. Danke Christiane für diesen „Marathoneinsatz“, den auch die ausrichtende KTV Dortmund mit Bravour gemeistert hat.

(Text und Foto:H.-J. Dörrer)

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